Bienenzüchtungskunde
Anfang des 20. Jahrhunderts forschte Armbruster im Edelzuchtgebiet „Platte“ des Imkervereins Sankt Peter. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er in seinem bis heute anerkannten und weltweit ersten Standardwerk der Bienenzüchtungskunde.[8]
Durch die nach England reisenden Schwarzwälder Uhrenhändler kam ein Exemplar seiner Schrift zu dem aus Schwaben stammenden Mönch Bruder Adam, eigentlich Karl Kehrle, in das englische Kloster Buckfast.[9] Bruder Adam war an Armbrusters Arbeiten insbesondere deshalb interessiert, weil die damals in England grassierende Tracheenmilbe nach amtlichen Angaben bis zu 90 Prozent der Bienen weggerafft hatte. Nur nach Kreuzungen mit anderen Unterarten der Westlichen Honigbiene[10] konnten die englischen Bienenstöcke überleben. Bruder Adam begann nach Armbrusters Bienenzüchtungskunde zu züchten.
Bruder Adams Buckfastbiene ist inzwischen weltweit verbreitet und bei Erwerbs- und Berufsimkern sehr beliebt. Bruder Adam widmete auch sein Hauptwerk Züchtung der Honigbiene seinem Inspirator Ludwig Armbruster.[11] Bis heute werden nach Armbrusters Bienenzüchtungskunde und seinen späteren Ergänzungen im Archiv für Bienenkunde weltweit Bienenrassen widerstandsfähiger gemacht und weitergezüchtet.
Armbruster war zwischen 1919 und 1966 Herausgeber des Archiv[es] für Bienenkunde. Zeitschrift für Bienenwissen und Bienenwirtschaft in insgesamt 41 Bänden.[12] Dort beschrieb und kommentierte er fast 50 Jahre lang die Weltliteratur der Bienenwissenschaft, so auch beispielhaft die Berufsimkerei von Bruder Adam im Kloster Buckfast als richtungsweisend für wirtschaftliches Imkern in Europa. Die Internationale Bee Research Association führt heute dieses Lebenswerk weiter.
Für die Hobbyimker im deutschsprachigen Raum hatte er seit 1918 leichte, warme und raumsparende Magazinkästen mit je 9 Waben 20 × 40 cm (Langstroth, Zander), Flugloch und Lüftung im Bodenbrett, sowie Futtereinrichtung als Patent entwickelt.[13] Diese Magazinbetriebsweise wurde von Imker Karl Pfefferle aus Münstertal weiter verbessert und im gesamten deutschsprachigen Raum stark verbreitet.[14]
Ludwig Armbruster (rechts) und Yoshinobu Tokuda auf dem Gelände des Instituts für Bienenkunde in Berlin-Dahlem um 1930
Armbruster richtete 1929 in Berlin die erste Honigprüfstelle ein, nachdem er die biologisch-mikroskopische Honigprüfung erschaffen hatte, eine seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen.[15] Die internationale „Apis-Tagung“ 1929 in Berlin mit fast 300 Teilnehmern[16] war der Höhepunkt in der Geschichte des Berliner Bieneninstituts und machte Armbruster im Ausland bekannt. Forschungsreisen führten ihn durch viele Länder Europas, auch in die USA, nach Ägypten und Palästina. Seine nach ihm benannte bienenkundliche Sammlung auf der Berliner Domäne Dahlem gehört zu den größten und bedeutendsten Deutschlands. Ein weiterer Schwerpunkt waren Fortbildungen und Lehrgänge an der eigenen Hochschule, in der Bienenfarm Gaisberg und beim Imkerverein Berlin-Zehlendorf.
Quelle:Wikipedia